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Nach London flieg`ich doch eh einmal im Monat zum shoppen…….. Schüleraustausch ist Standart für bayerische Schulen, nicht nur für Gymnasien, es gibt aber durchaus feine Unterschiede – eine Woche in einer Familie in Westeuropa zu leben und deren Kind in Lauf aufzunehmen, ist für viele SchülerInnen und ihre Familien nichts besonderes mehr – bei Ländern Zentraleuropas, die nun auch schon seit 25 Jahren nicht mehr kommunistisch sind, sieht das ganz anders aus: Die Reaktionen reichen von „Pass auf, dass du nicht geklaut wirst!“ oder „Wozu das denn ?“ bis zu völligen Faszination, eine Kultur zu erfahren, die gleichzeitig fremd und vertraut ist oder dem befriedigenden Gefühl, sich problemlos in einem Land bewegen zu können, dessen Sprache man nie gelernt hat.
Sechsundzwanzig Wagemutige haben genau diese Herausforderung gesucht- und an der nunmehr sechsten Runde des Schüleraustauschs des CJT Gymnasiums mit dem II Liceum in Rumia (Stadtrand Danzig) teilgenommen. Die Abschiedstränen am Bahnsteig – auf Seiten der polnischen wie der deutschen Schüler – zeigen, dass jeder nach nur einer Woche seine Gastfamilie ins Herz geschlossen hatte und gerne noch ein wenig geblieben wäre. Neben dem gemeinsamen Schulunterricht (der auf ohne polnische Sprachkenntnisse ein echter Erkenntnisgewinn war) hat wohl vor allem das gemeinsame Ausflugsprogramm zu dieser engen Bindung beigetragen: Neben der Besichtigung von Gdansk/Danzig und Gdynia/Gdingen die mit Sopot/Zoppot die sog. „Dreistadt“ bilden, stand eine Segeltour auf der Ostsee ebenso auf dem Programm wie ein Tag in Hel/Hela, was nicht nur bei den deutschen Schülern zu mehr oder weniger schlechten Witzen führte (Für Hardrockinteressierte: es gibt keinen „Highway to Hel“, nur eine Landstraße). Hel- auf der Nehrung nördlich Gdansk gelegen- spiegelt exemplarisch das polnische Verhältnis zum Meer – wunderschöne, lange (und im September einsame) Sandstrände, aber auch Tourismus im Sommer und ein Robbenhospital für Tiere, die durch Schiffschrauben und Fangnetze verletzt wurden. Auch die deutsch/polnische Vergangenheit ist allgegenwärtig – beim Besuch des Mahnmals auf der Westerplatte (Ausbruch 2. Weltkrieg) mit Sicht auf die Danziger Arena (FußballEM 2012) bis zum Besuch der Marienburg, einer deutschen Ritterordensburg des Mittelalters, zeigt einmal mehr deutsche Wandmalereien, nunmehr von Polen restauriert und für polnische Besucher aufbereitet. Dieses jahrhundertelange Wandeln zwischen zwei dominanten Staaten, den Deutschen und den Russen, hat die polnische Psyche geprägt – kulturelle Anleihen, gerade aus dem deutschsprachigen Raum, sind allgegenwärtig, ebenso das Bekenntnis zu Europa und eine unglaubliche Gastfreundschaft– was im Alltag der deutschen Austauschschüler einige kuriose Spuren hinterlassen hat: da wird in der Dreizimmerwohnung (in der auch Oma mitwohnt) eben mal das Schlafzimmer geräumt, um Platz für den deutschen Gast zu machen. Zur Not werden auch zwei deutsche Gäste beherbergt, und offenbar ist die Hauptsorge der polnischen Mütter, dass ihre Gastkinder wohlgenährt und kugelrund nach Deutschland zurückkehren. Gleichzeitig ist ein Teil fast jeder Familie im europäischen Ausland, baut in Finnland Schiffe, bedient in Schweden einen Kran oder fährt einen Stadtbus in London. Diese Weltläufigkeit ist zwar aus der wirtschaftlichen Not bzw. den niedrigen Löhnen in Polen geboren, führt aber zu einer unverwechselbaren Mischung aus traditioneller Kultur und Weltoffenheit, die von der ersten Minute des Austauschs an einen bleibenden Eindruck bei unseren deutschen Schülern hinterlassen hat, mit der Folge, dass alle Laufer Austauschschüler im kommenden Jahr noch einmal dach Rumia fahren möchten. U. Keding
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